Die High Five fähiger Führung

Aktualisiert: März 14



"...und was ist jetzt eigentlich gute Führung?"


Diese Frage stellte mir vor einigen Jahren ein junger Finanzmanager. Vermutlich hätte er mich für die Führungsgöttin gehalten, wenn ich auf diese kurze Frage eine ebenso knappe Antwort hätte geben können. Die Wahrheit ist, dass es diese nicht gibt. Was konkret braucht es für "gute" Führung, wenn des einen Leid, des and'ren Freud ist? Neben Persönlichkeit braucht es Fähigkeiten, um führen zu können. Fähig ist hier gleichzusetzen mit wertschätzend, leistungsorientiert, wertebasiert, menschengebunden, respektvoll und ergebnisgeleitet.


Tatsächlich gibt es einige essentielle Grundlagen fähiger Führung.

  1. Sie mögen Menschen Das klingt banal, ist aber das Fundament jeder fähigen Führungskraft. Es wäre einfach, wenn die Teilnahme an einem Leadership-Training alle Menschen zu Top-Leadern weiterentwickeln würde. So ist es nicht. Das beste Coaching, das informativste Training und der spannendste Vortrag machen Sie niemals zu einer bessern Führungskraft, wenn sie - mit Verlaub - keinen Bock auf Menschen haben. Sie müssen Führung wollen. Aus Überzeugung und von Herzen. Dabei ist es ein Plus, wenn Sie obendrein ein netter Mensch sind. Führung ist immer noch ein Privileg. Sie wird weniger von "oben" gegeben, als vielmehr von "unten" akzeptiert. Für dieses Privileg gilt es, dankbar zu sein. Nerven Menschen Sie tendenziell, fahren Sie bei Arbeitsunterbrechungen schnell aus der Haut und hören Sie nur ungern aktiv zu, macht die Führungsrolle wahrscheinlich weder Sie noch Andere glücklich.

  2. Sie tragen gerne Verantwortung. Führung ist ein ganzer Kuchen. Rosinenpicken funktioniert nicht. Mit einer Führungsaufgabe kommt Verantwortung, die sie bisher vielleicht nur für sich getragen haben. Wenn es ihnen leicht fällt, für andere einzutreten, Wertschätzung auszudrücken, gute Ideen aufzugreifen und voranzutreiben, ist das großartig. Wenn sie dann auch noch bestrebt sind, Tradition und Moderne beständig miteinander zu harmonisieren, auch für Fehler anderer geradezustehen, kritische Gespräche zu führen und Widerstände zielführend aufzulösen, dann haben sie schon einen Großteil ihrer Aufgabe inhaliert.

  3. Sie entscheiden. Zugegeben, nicht jede Entscheidung fällt leicht. Es gibt schwierige, gute, komplexe, weitreichende, falsche, wirkungsvolle, kluge und sinnlose Entscheidungen und vermutlich noch eine Menge mehr. Doch das ist nicht wichtig. Essentiell ist, dass Sie Entscheidungen überhaupt treffen. Niemand hat behauptet, dass das immer einfach ist. Doch wenn Sie führen, dann erwarten ihr Team und auch ihr Chef zu Recht von Ihnen, dass Sie in angemessener Zeit mit Souveränität und Kompetenz Entscheidungen treffen können.

  4. Sie sind verbindlich. Mitarbeiter mögen Vorgesetzte, die berechenbar sind. Sprechen Sie über das, was Sie tun und tun Sie das, worüber Sie gesprochen haben. Halten Sie konsequent getroffene Absprachen oder Termine ein. Dabei ist einmal keinmal. Wird es jedoch zur Regel, verlieren Sie schnell an Respekt und Zutrauen. Verbindlichkeit gilt auch für die Beurteilungskriterien, die sie an Leistung stellen. Menschen für die gleichen qualitativen oder quantitativen Ergebnisse heute zu loben und morgen abzustrafen ist fatal.

  5. Sie kommunizieren authentisch. Das bedeutet nicht, dass Sie gut monologisieren können. Für aufmerksames Zuhören gibt es keinen Ersatz! Dabei ist es natürlich wichtig, sich zielgruppengerecht und der Situation angemessen ausdrücken zu können. Ein Rhetorik-Seminar wird aber nur maximal periphere Ergebnisse erzielen, wenn Sie an Kommunikation kein Interesse haben. Überdurchschnittlich fähigen Führungskräften gelingt es insbesondere deshalb, ihrem Gegenüber aktiv zuzuhören, weil sie zuhören wollen. Sie übermitteln auf authentische Art und Weise Wertschätzung, Respekt und Interesse. Dabei verfügen sie wenn nötig auch über genügend Durchsetzungsstärke, Überzeugungskraft und Rückgrat, um Klarheit zu schaffen.

Führung ist selten angeboren.

Methoden, Instrumente oder Prozesse lassen sich erlernen. Leidenschaft für Menschen nicht. Dabei ist Führungswille ein Stück Ihrer Persönlichkeit. Die Motive dafür sind vielfältig, doch bei allem Altruismus immer verbunden mit einem gewissen Streben nach Macht. Das ist nicht per se schlecht, solange sie weder den Respekt vor anderen Menschen verlieren, sich selbst nicht permanent in den Mittelpunkt rücken müssen und ihr Weg nicht von Leichen gepflastert wird.


Mit dem Finanzmanager habe ich übrigens zwei Kaffee getrunken. Es war ein gutes Gespräch für uns beide. Für aufmerksames Zuhören gibt es eben keinen Ersatz!

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